Lehrreich und auch sehr lecker

„Die Kartoffelsuppe” schmeckte Kindern

Ernährungslehre, Gemüse-Kunde und einen Kochkurs mit einer Geschichte über die Nöte im Krieg geschickt zu verbinden - dieses auf den ersten Blick schwer vorstellbare Vorhaben gelang dem Schauspieler Sigi Herold vom Frankfurter Theater „Grüne Soße” am Samstagmittag im Forsthaus Löhen mit dem Stück „Die Kartoffelsuppe”. Die gab es für die 60 Kinder und ihre Eltern zum krönenden Abschluss der Aufführung im Rahmen der Kindertheater-Reihe „Dies und das und noch etwas”, die anlässlich des „Kartoffel-Wochenendes” erstmals Station im Forsthaus des Sauerländischen Gebirgsvereins machte. Zubereitet hatte Sigi Herold die Suppe zuvor in einer guten Stunde auf einem mobilen Herd vor den Augen der kleinen Zuschauer, wobei er diese auch immer mit einbezog zum Beispiel beim Erraten der verschiedenen Gemüse-Zutaten.
Zugleich gab der Schauspieler den Kinder einen anschaulichen Einblick unter anderem darüber, wie die Nährstoffe im Körper verarbeitet und wo sie benötigt werden. Und während Kartoffeln, Möhren, Lauch, Knollensellerie, Rettich, Kohlrabi, Zucchini und Stangenbohnen in den großen Topf kamen, erzählte Herold zwischendurch immer wieder kurze Abschnitte der Geschichte vom Schwein Frieda, das von der Muttersau verstoßen im Haus aufwächst, ja sogar im Bett schlafen darf. Schließlich zwingt der Hunger im Krieg die Familie aber doch dazu, das Schwein zu schlachten. Wie die Tochter, der das Tier stets auf Schritt und Tritt gefolgt war, mit solch unausweichlichen Notwendigkeiten, die das Leben mit sich bringt, zurechtkommt, weil sie Halt und Trost bei den Eltern findet, das vermittelte das Stück. Zum Abschluss kredenzte Sigi Herold, assistiert von Lukas Wegner, den Kindern die frisch zubereitete Suppe.
Foto: Lehmann








Kultur Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2007, Nr. 222, S. 48

Idylle mit Kratzern
Theater Gruene Sosse serviert "Kartoffelsuppe" im Theaterhaus



"Mit Lebensmitteln spielt man nicht", hatten uns einst die Eltern eingetrichtert, aber Sigi Herold praktiziert genau das Gegenteil. Der Mime vom Theater Gruene Sosse hat auf seiner Bühneninstallation aus hellem Buchenholz und blitzendem Edelstahl allerlei Kräuter und Wurzeln ausgebreitet. Eine Grüne Soße wird nicht daraus, aber die titelgebende Kartoffelsuppe gestaltet er mehr als eine Stunde lang zu einem Gemeinschaftserlebnis, dessen Happy End alle gemeinsam auslöffeln dürfen.

Die Etappen, bei denen Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Rettich, Sellerie, Zucchini und Lauch in den mächtigen Topf wandern, werden mit beiläufigem Zwiegespräch zum Nutzen der jeweiligen Komponente begleitet. Wer sich den Zeitaufwand mit einer Tütensuppe sparen wollte, weiß am Ende nicht nur den Geschmack frischer Zutaten zu schätzen, er würde auch die dabei entfaltete Kommunikation vermissen. Der Mime mit der Schürze hat erst, wie um die Lücken bei der Arbeit zu füllen, von Lene erzählt. Sie lebte in einer Zeit, als die Leute noch ihre eigenen Schweine, Kühe und Hühner hatten. Dass diese alte Zeit keineswegs nur eine gute war, das liegt an den Soldaten, die aus der Familie gerissen werden, und an den Flugzeugen, die dafür mit Bomben zurückkommen. Und es liegt auch daran, dass die Not Notwendigkeiten hervorbringt und dass Lenes Lieblingsschwein Frieda dran glauben muss, als die letzten Kartoffeln aufgegessen sind.

Sigi Herold breitet die Idylle mit Kratzern mit blitzenden Augen aus und illustriert dabei den tierischen Helden seiner Erzählung mit einer Kartoffel auf dem Büfett, dessen Wachstum er mit immer größeren Exemplaren nachvollzieht. Wie sein Gericht würzt er sein Küchenlatein dezent - mit Anekdoten und Neckereien. Und er verrät, dass die Zusatzportion Wasser im Topf mit Gastfreundschaft statt mit Geiz zu tun hat: "Fünf sind geladen und zehn gekommen, gieß Wasser dazu, heiß alle willkommen." Das von Detlef Köhler inszenierte Spiel ist so verbindend wie ein Abend am Lagerfeuer, auch wenn natürlich elektrisch eingeheizt wird. Es verbindet alte Erfahrungen mit neuen Rollenspielen und heilt die Dramen des Lebens mit der Einsicht in das Unvermeidliche. ric.
Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main



Kultur Frankfurter Rundschau

Ein Genuss für die Sinne

Theater für die Kleinen


Noch immer meint man, den würzig-leichten Geruch von in Butter angedünsteter Zwiebel in der Nase zu haben, der das Frankfurter Theaterhaus durchströmte und ganz heimelig erscheinen ließ. Und auch das prasselnde Geräusch, das der grobgeschnippelte Lauch machte, als er in das siedend heiße Fett des großen Suppentopfs geworfen wurde, wird wieder hörbar. Nicht zuletzt dank dieser und anderer, die Sinne ansprechenden Eindrücke, die das Ein-Personen-Stück "Die Kartoffelsuppe" reichlich bei großen und kleinen Zuschauern hinterlässt, gelingt dem Stück des Kindertheaters TheaterGrueneSosse das im Rahmen ihres "Theater und Schule"- Projekts Intendierte. Nämlich Theater für Schulkinder zu realisieren, das ihnen hier zum einen spielerisch gesunde Ernährung und frische Zutaten nahe bringt, ohne eine betont didaktisch-besserwisserische Miene aufzusetzen, zum anderen aber auch eine spannende Geschichte erzählt, die ebenso unterhält wie nachdenklich stimmt. Der Schauspieler Sigi Herold erarbeitet mit den Kindern während des Kochens der schmackhaften Suppe - wovon sich alle im Anschluss überzeugen können - nämlich nicht nur, was an Lauch, Karotten und Kartoffeln so gesund ist. Er fügt seiner anschaulichen Kochanleitung noch wie beiläufig, und doch sehr wirkungsvoll, eine ganz besondere Ingredienz hinzu: eine Kriegsgeschichte seiner Mutter Lene. Die nämlich hatte als kleines Mädchen ein Hausschweinchen namens Frieda, worauf er deshalb kommt, weil Frieda auch ein Name für eine festkochende Kartoffelsorte ist. In Kriegszeiten und nach wochenlangem Hungern aber ist das stämmige rosa Rüsseltier einfach nicht mehr da... Dass das Lernen viel besser klappt, wenn alle Sinne angesprochen werden, weiß die moderne Pädagogik längst. Dass das aber auch überaus schmackhaft, lustig und interaktiv sein kann, zeigt "Die Kartoffelsuppe".
von Nora Binder
Copyright © FR-online.de 2007 Erscheinungsdatum 21.09.2007




Frankfurter Neue Presse

Es köchelt und duftet lecker

Das Ensemble „Grüne Sosse“ kocht im Theaterhaus Frankfurt theatral eine „Kartoffelsuppe“.


Karotten sind gut für die Augen und für die Haut. Kohlrabi enthält Eisen, Kalzium und Vitamin B, welches wiederum für die Knochenbildung förderlich ist. Beide Gemüse gehören neben Zwiebeln, Zucchini und Rettich in eine gute Kartoffelsuppe. Die köchelt im Theaterhaus eine gute Dreiviertelstunde lang vor sich hin, während der Koch, Sigi Herold, nicht nur als Gesundheitsberater die Kinder bestens unterhält, sondern das Kunststück fertig bringt, während des Kochens, Schälens von Gemüse und Würzens der Suppe eine Geschichte zu erzählen, die von Zeiten handelt, als es wenig zu essen gab, im Krieg nämlich.
Im Mittelpunkt der Story steht das kleine, von seiner Mutter verstoßene Ferkelchen Frieda, das in einem Haushalt auf dem Lande sein Dasein fristet, während sich die Menschen auf den Krieg vorbereiten. Nicht allen Kindern fällt das Zuhören leicht, denn die Suppe beginnt köstlich zu duften, und so mancher hat seinen Hunger ins Theater mitgebracht. „Die Kartoffelsuppe“ nach einem Text von Marcel Cremer und Helga Schaus kommt hier als kurzweilig unterhaltendes Erzähltheater daher, das seinen Reiz zum einen aus dem anschaulichen Kochvorgang bezieht und andererseits durch das geschickte Verweben von erzählter Biografie und erfundenen Anekdoten überzeugt, denn eines Tages verschwindet das Schweinchen, um am Schluss wieder quicklebendig aufzutauchen.

Dann ist die Geschichte zu Ende, und die Suppe fast schon fertig: abschmecken, pürieren und mit Wasser auffüllen. „Sonst wäre es keine Suppe, sondern Brei“, belehrt Herold, der auch zwischendurch ein Lied singt und mit Gemüse am Ohr und auf dem Haupt einige Charaktere der Geschichte vor Augen führt. (jsc)
Frankfurter Neue Presse Printausgabe vom 22.09.2007




Da grunzt die Knolle

Das Theater Gruene Sosse feiert mit seinem neuen Stück "Die Kartoffelsuppe" Premiere im Frankfurter Theaterhaus.



Gesundes Essen ist eine Mission und Junk Food eine Gaudi. Kein Wunder, dass viele Kinder die Lippen fest zusammenpressen, wenn ihnen missionarisch-bräsiges Gemüse aufgetischt wird. Hinter dem Schokoriegel stecken psychologisch fundierte Marketingstrategien - im Obst nur Vitamine. Läuft das also auf einen Sieg nach Punkten für das Fehlernährung produzierende Gewerbe hinaus?

Nicht, so lange das Theater Gruene Sosse mit seiner Kartoffelsuppe durch die Schulen ziehen kann. Kein bunter Clown, sondern eine erdbraune Knolle wird zum Helden eines Theaterstücks, verwandelt sich in ein Ferkelchen namens Frieda und zu guter Letzt in eine leckere Suppe.
Zunächst einmal beginnt es so, wie es Kinder ab sechs Jahren gewohnt sind, wenn es um gesundes Essen geht: Schauspieler Sigi Herold kommt in die Klasse und stellt das Gemüse vor, aus dem er eine Suppe kochen wird. Doch übers Schnippeln und Brutzeln gerät ins Erzählen, spricht von seiner Mutter Lene, die als junges Mädchen auf dem Dorf lebte. Zwischen Krieg und Hunger hatte kaum jemand Zeit für Kinder, und noch viel weniger Zeit war da, um sich um ein Ferkelchen zu kümmern, das von seiner Mutter verstoßen wurde. Auf diese Weise kommt Lene zu einem Haustier - und Frieda zu ordentlichem Gewicht. Doch eines Tages ist Frieda verschwunden…

Wenn Sigi Herold erzählt, dann kommt Leben ins Gemüse, dann grunzt die Kartoffel, dann tanzt der Kochlöffel, dann fängt es an, lecker zu duften. Irgendwann ist sie dann fertig, die Kartoffelsuppe, und kann probiert werden. Schüsseln und Löffel hat Sigi Herold mitgebracht, und kein Kind lässt sich seine Portion entgehen, obwohl diese Kartoffelsuppe ausgesprochen gesund ist.

"Die Kartoffelsuppe" ist eines der "Theater Und Schule"-Projekte des Theaters Gruene Sosse. Beim Vorgänger - der Theaterstunde "Alles im Grünen Bereich" - ziehen zwei Handwerker in den Klassenraum, behaupten, sie seien vom Hausmeister geschickt worden, und verwüsten den Klassenraum, während der Lehrer im Sekretariat auf der Suche nach der Wahrheit ist.
Das Konzept hinter "Alles im Grünen Bereich" ähnelt dem der "Kartoffelsuppe". In beiden Fällen entsteht aus einer alltäglichen Situation heraus Theater und ist damit nicht ein Ereignis, das wie ein Luftballon über dem Alltag der Kinder schwebt und fernab auf der Bühne geschieht. Sigi Herold erlebt jedes Mal wieder, wie gut die Kinder die verschiedenen Ebenen wahrnehmen und unterscheiden können. Selbst das verschwundene Schwein mit seinem in Hungerszeiten nahe liegenden Schicksal brachte bei den Probeaufführungen niemanden außer Fassung.

"Hunger, Krieg und die Tatsache, dass Tiere gegessen werden, gehören nicht zuletzt durch die Medien zur Lebenswirklichkeit der Kinder", sagt Sigi Herold, und es ist Teil seiner Wertschätzung für Kinder, dass er ihnen keine rosa Tülltanten präsentiert, sondern seine Themen aus ihrer Welt schöpft und auch noch, zusammen mit seinen Gruene-Sosse-Kameraden Willy Combecher und Detlef Köhler genügend Fördermittel auftreibt, die "Die Kartoffelsuppe" zu einem recht bodenständigen Preis für Schulen buchbar macht. Entwickelt wurde die "Kartoffelsuppe"-Idee von der belgischen Kindertheatergruppe Agora, zusammen mit Detlef Köhler hat Sigi Herold das Stück für das Theater Gruene Sosse bearbeitet.

Die Reihe "Theater Und Schule" wird sicher in Zukunft fortgesetzt. Zunächst einmal stehen jedoch zwei klassische Theaterstücke auf der Planungsliste des Theaters: Im nächsten Jahr wird Willy Combecher eine Produktion vorstellen, mit der er auch auf Tournee gehen wird, und es wird ein Stück in Zusammenarbeit mit dem belgischen Regisseur Marcel Cremer entstehen.

Hört sich alles interessant an. Nur ein kleines bisschen schade ist, dass aus dem Theater Gruene Sosse trotz des appetitlichen Namens kein Kochclub wird. Zumal ihre Kartoffelsuppe verdammt lecker ist.

Copyright © FR-online.de 2007