Über das Theater Gruene Sosse



Das TheaterGrueneSosse ist ein mobiles Theater mit fester Spielstätte im Theaterhaus Frankfurt und im Löwenhof. Das TheaterGrueneSosse zeigt Theater für Kinder ab 5 Jahren. Das TheaterGrueneSosse produziert Theater mit Kinder und Jugendlichen ab 8 Jahren.

TheaterSehen und TheaterSpielen sind hierbei gleichberechtigte Erlebnisse.

In unseren Bühnenstücken erzählen wir mit und neben den Geschichten auch immer etwas über verschiedene Lebensbereiche, das Theater und unsere Auffassung von der Welt. Diese Produktionen zeigen wir gerne in der ganzen Welt.

Theater und Pädagogik werden als künstlerischer und ästhetischer Prozess verstanden.

Mit Workshops, dem KinderEnsemble, dem Goldfisch Ensemble, der JugendKompanie und dem Jungen Ensemble sowie in verschiedenen Projekten bringen wir Kinder und Jugendliche zum TheaterSpielen.

Das Theater lebt nicht zuletzt auch von den leidenschaftlichen, inhaltlichen Auseinandersetzungen unter uns und den Überraschungen und dem Spaß bei den Gastspielreisen.

In den vergangenen Jahren gastierte das TheaterGrueneSosse auf internationalen Kinder- und Jugendtheaterfestivals in Ungarn, Österreich, Belgien, Dänemark, Russland, Japan, Grossbritannien, Kanada, Iran und Sri Lanka.

Das TheaterGrueneSosse wird von dem Team Willy Combecher, Sigi Herold und Detlef Köhler geleitet.

Das TheaterGrueneSosse wird finanziert durch 50% institutionellen Zuschuss der Stadt Frankfurt, ca. 30 % Eintritte und Gageneinnahmen sowie 20% Projektzuschüsse des Landes Hessen, des Fond darstellende Kunst, Goethe- Institut, Kulturfonds Rhein/Main und andere. Das TheaterGrueneSosse zeigt jährlich ca. 160 Vorstellungen (meist als Schulvorstellungen), davon ca. 80 Vorstellungen im THEATERHAUS FRANKFURT und im Löwenhof sowie ca. 80 Gastspiele, wir erreichen dabei ca 15.000 Kinder über 5 Jahren und Jugendliche.

Neben unseren turnusmäßig stattfindenden Vorstellungen im Theaterhaus Frankfurt und im Löwenhof spielen wir überall: In Theatern, Bürgerhäusern und Stadthallen, Kulturzentren und Schulen.



Für Gastspiele, Buchung und weitere Informationen (auch zu technischen oder organisatorischen Problemen), für Anforderung didaktischen Materials, sowie von Kritiken, Programmen und Videos, sind wir in der Regel in unserem Büro von 9 -16 Uhr zu erreichen. Bitte besprechen Sie u.U. den Anrufbeantworter, wir melden uns in jedem Fall. Für Ihr Interesse an unserer Arbeit bedanken wir uns schon jetzt sehr herzlich. Wir hoffen, daß Ihnen unser Programm zusagt und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit.

Das aktuelle Programmheft kann hier heruntergeladen werden.




Die drei von der Spielstelle
Zutaten, kräftige Würze: Seit 30 Jahren spielt das TheaterGrueneSosse für Kinder und Jugendliche.
Von Eva-Maria Magel


"Wenn die Gruene Sosse kocht, kocht nie einer für alle. Immer kochen alle für alle." Diese Erfahrung hat der belgische Regisseur Marcel Cremer gemacht, als er 1999 mit den drei Akteuren des Frankfurter Kinder- und Jugendtheaters Gruene Sosse, Sigi Herold, Willy Combecher, Detlef Köhler, und mit Günther Henne das Stück "Strandläufer" probte. Abends, nach getaner Arbeit wurde gekocht: der Name verpflichtet.

Nie kocht einer allein sein Süppchen - dabei ist es geblieben im TheaterGrueneSosse. Und es werden immer wieder neue Rezepte ausprobiert, auch das ist Prinzip des Theaters, das als Mitgesellschafter des Freien Theaterhauses Frankfurt gestern dort sein dreißigjähriges Bestehen gefeiert hat:

Mit einem neuen Stück seines Jungen Ensembles, einem seit 1998 bestehenden Projekt für jugendliche Laienspieler. Für die vorbildliche Arbeit an "Testosteron", dem Vorjahresstück, hat das Theater mit seinem Jungen Ensemble den Frankfurter Kindertheaterpreis Karfunkel gewonnen. "Exit", die jüngste Jugendproduktion, ist weniger ein Theaterstück denn eine Tanz-Performance, die von Gefühlen und Gedanken Jugendlicher handelt, deren Eltern sich trennen. Unterwegs in Richtung Bewegungstheater ist auch "Himmel und Meer", das die Gruene Sosse mit dem Darmstädter Kindertheater Die Stromer und dem niederländischen Regisseur Sybrand van der Werf erarbeitet hat.

Wieder etwas Neues also für die drei, von denen Sigi Herold, der auch in "Himmel und Meer" spielt, schon seit der Gründung 1981 an Bord ist. "Realistisch-emanzipatorisch" nannte man solches Kinder- und Jugendtheater vor 30 Jahren, als in einer Frankfurter Kneipe allerhand Studenten und Laien-Theatermacher um den vormaligen Schauspieler am Theater am Turm, Peter Bauer, nach einem Namen für ihre Gruppe suchten. Eines der Vorbilder trug auch den Namen einer Leibspeise: Das Berliner Theater Rote Grütze. Damals nannte man sich noch "Grüne Soße" - mittlerweile aber, da das Theater international unterwegs ist, fehlt das ß: So mancher angelsächsische oder asiatische Veranstalter hat mit dem Umlaut schon genug Mühe. 1982 gab es, nach monatelangen Proben, als Erstes ein Anti-Drogen-Stück der Roten Grütze: "Mensch ich lieb dich doch" - für Jugendliche. Erst später kamen Kinderstücke hinzu, die heute einen Großteil ausmachen - auch, weil die Strukturen an den Schulen heute fast keine Jugendarbeit mehr erlauben, wie die drei erklären. "Eine gewisse Frustration", sagt Sigi Herold, habe sich eingestellt, was die Schulen angehe: Es werde zu wenig ins Theater gegangen. Einst klapperten sie mit einem Kleinbus die deutschen Jugendzentren ab, heute könne sich kaum eine Kommune mehr solche Gastspiele leisten.


Lohnenswert seien heute eher Festivals oder strukturierte Programme wie das Theater-Schulprogramm Flux. Die Gruene Sosse versucht, mit dem Format des Klassenzimmerstücks auf die Schulen zuzugehen. Immer, so versichern alle drei, gehe es ihnen um einen ganzheitlichen Ansatz: "Theater ist eine soziale Angelegenheit", sagt Herold. Ihre Stücke verhandeln oft seelische Nöte von Kindern und Jugendlichen oder gesellschaftliche Fragen, von "Plumpsack" über "Kleiner Klaus, großer Klaus" bis "Don Quijote". Nun erfüllt sich das Ensemble mit dem Weihnachtsstück "Ox und Esel" einen langgehegten Wunsch, im nächsten Jahr wird Sybrand van der Werf Ad de Bonts "Tochter des Ganovenkönigs" inszenieren. Freimütig erklären sie, mit ihrem eigenen Älterwerden sei es leichter, Kindertheater statt Jugendrollen zu spielen. Sich anzubiedern oder, wie es oft heißt, "auf Augenhöhe" der Kinder zu sein kommt für sie nicht in Frage. Zur Arbeit gehört dagegen das Entdecken der eigenen Kinder-Seiten, wie damals mit Cremer im "Strandläufer", einem Stück, das zu einem "Meilenstein" der Theatermacher wurde, die dafür mit der eigenen Biographie arbeiteten. "Dazulernen", das Wort fällt oft im Gespräch der drei, die als Laienschauspieler viele Techniken und Fertigkeiten, auch der Vermarktung und der Selbstorganisation, erlernt haben.

"Ein Kollektiv mit allen Vor- und Nachteilen einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft", nennt Herold das, auch mit allen Nachteilen eines freischaffenden Künstlerlebens, denn jeder von ihnen musste, wie Herold lange Zeit mit Taxifahren, dazuverdienen: Schließlich haben sie alle drei Familie.

Heute hat die Gruene Sosse eine feste städtische Förderung, etwa 130 000 Euro, 40 Prozent ihres Etats erwirtschaftet die Gruppe selbst. Gute 160 Vorstellungen spielen sie im Jahr, viele davon im Theaterhaus. Alle kochen alles, aber mittlerweile haben sie sich spezialisiert in den Räumen an der Frankfurter Löwengasse: Herold macht die Buchhaltung, Detlef Köhler, seit 20 Jahren dabei, steht lieber hinter der Bühne, baut Bühnenbilder und ist als Kulturmanager der Gruppe tätig, Combecher, der Ende der achtziger Jahre zur damaligen Gruenen Sosse stieß, leitet das Junge Ensemble. Das Spiel bestreiten die beiden, mit wechselnden Gastkollegen, nach wie vor. Und das hat offensichtlich Wirkung: Wenn Combecher durch Frankfurt spaziert, halten ihn oft Schüler für den Handwerker Olaf, als der er im Klassenzimmerstück auftritt. "Das", sagt er, "ist eine Freude, die mit Geld nicht zu bezahlen ist."




"Gruene Sosse" wird 25 - Reibekuchen war schon vergeben
Kinder- und Jugendtheater ohne erhobenen Zeigefinger: Die Gruppe "Gruene Sosse" feiert 25. Geburtstag

Speedy, Einstein, Grübchen, Matze, Dany, Ratte und Rocky sind dicke Freunde. Aber dann: Einer fängt an zu trinken. Einer klaut. Ein Mädchen verliebt sich in einen Typ, der Typ nimmt Heroin, und bald nimmt das Mädchen auch Heroin. Das Mädchen landet auf der Intensivstation. Drogen sind nämlich keine Lösung.

Die Mutter von Bujo, Casimir und Dwini schreit hysterisch rum und schlägt alle drei. Doch man kümmert sich umeinander in dieser Rest-Familie, die den Vater verloren hat, und gibt nicht auf. Denn darum geht es ja letztlich. Dass es irgendwie weitergeht.

"Schreiben Sie jetzt bloß nicht das Wort Botschaft", sagt Gründungsmitglied Sigi Herold, denn um eine Botschaft, von oben herab, von Erwachsenen für Kinder, sei es beim "Theater Gruene Sosse" nie gegangen. Allerdings auch nicht darum, einfach nur Geschichten zu erzählen. Nicht im Jahr 1982, in dem die Gruppe mit Speedy, Ratte und dem Anti-Drogen-Stück Mensch, ich lieb dich doch ihr Debüt auf die Bühne brachte. Und nicht 2004, als das avantgardistisch angehauchte Familiendrama Plumpsack, das die Gruene Sosse immer noch sehr erfolgreich spielt, Premiere hatte. Am morgigen Samstag feiert das Frankfurter Kindertheater seinen 25. Geburtstag.

Natürlich liegen trotzdem Welten zwischen beiden Stücken, und ja, ein bisschen Theater mit erhobenem Zeigefinger sei das am Anfang schon gewesen, räumt Willy Combecher ein, der vor 20 Jahren bei der Gruenen Sosse eingestiegen ist. Dass es irgendwie weitergeht, wenn es weitergehen muss - mit einem solchen Fazit hätte die Gruene Sosse ihr jugendliches Publikum Anfang der Achtzigerjahre jedenfalls nie und nimmer auf den Nachhauseweg geschickt. "Wir wollten die Welt verändern", sagt Combecher. "Hätten wir Plumpsack Anfang der Achtziger entwickelt, hätten wir gefragt: Was ist die Verantwortung der Gesellschaft an der Situation der Frau?". Die besondere Mischung aus Slapstick und grandios stilisiertem Theater, mit der sich die Gruene Sosse mittlerweile deutschlandweit einen Namen gemacht hat, wäre so wohl nicht entstanden.

Rund 2500 Aufführungen von 30 verschiedenen Stücken für Kinder ab acht Jahren - etwa Heinrich V., Strandläufer und Pinguine können keinen Käsekuchen backen - haben die Theaterleute inzwischen gestemmt. Die Gruppe tourt jedes Jahr viele Male quer durch Deutschland und hatte Gastspiele in Europa, Asien und Nordamerika.

Einer kannte den anderen. Aus dem Studium, aus der WG, von Demos gegen die Startbahn West. So genau weiß Sigi Herold das heute selbst nicht mehr.
Irgendwann an einem Sonntagabend vor einem Vierteljahrhundert saß er jedenfalls mit Peter Bauer, Micha Kratzsch, Susanne Cahn und Uta Steinbach in der Kneipe "Nr. 16" in der Rohrbachstraße im Frankfurter Nordend. Und man beschloss, zusammen Theater zu spielen. Vom Fach war keiner, die Probenpläne wurden am Biertisch gemacht.

Künstlerischer Ausgangsort war die Hausener Brotfabrik. Wie das Vorbild, die Berliner Kindertheatergruppe Rote Grütze, wollte sich das Kollektiv einen kulinarischen Namen geben. Am besten mit lokalem Bezug. "Reibekuchen war leider schon vergeben", sagt Herold.

Von den Gründern ist allein er übrig geblieben. 1988 stieß Willy Combecher dazu. Das dritte feste Ensemblemitglied Detlef Köhler kam vor 15 Jahren, als das Theater Gruene Sosse zusammen mit dem ehemaligen "Klappmaultheater" und den "Traumtänzern" Gesellschafter des neu gegründeten Freien Theaterhauses wurde.

In den ersten Jahren spielten die Autodidakten, bei der Gründung waren sie allesamt Mitte 20, auf der Bühne Altersgenossen. Theater von Fast-noch-Jugendlichen für Jugendliche - irgendwann waren sie dafür zu alt. Also Theater für Kinder. "Wir wollten authentisch bleiben", sagt Sigi Herold. Was ist authentisch daran, wenn Herold (53), Combecher (55) und Köhler (47), wie im Plumpsack, auf der Bühne Acht- bis Zwölfjährige mimen? Finden das echte Acht- bis Zwölfjährige nicht hochnotpeinlich? "Nein", sagt Sigi Herold. Die Kunst sei, sich in Kinder hineinzuversetzen, ohne sie nachzuäffen. "Das ist eine Gratwanderung, aber in Gesprächen nach der Aufführung stellt sich meist heraus, dass die Kinder uns verstehen und sich nicht daran stören."

Die Stadt Frankfurt fördert das Theater Gruene Sosse, wie sich die Gruppe seit längerem schon computergerecht buchstabiert, mit 127 000 Euro pro Jahr. Auch das Land Hessen gibt Geld. Meist sind es Lehrer, die für ihre Klassen Aufführungen buchen.

Sigi Herold findet es auch nach 25 Jahren noch eine Herausforderung, für Kinder zu spielen. "Erwachsene mucken selten auf, wenn ihnen etwas nicht gefällt, schlimmstenfalls verstehen sie das Stück nicht und bezeichnen es als ,Kunst'". - Kinder lassen sich nicht so schnell was vormachen. Die gucken einfach nicht mehr hin, wenn sie das da vorne blöd finden. "So was ist dann richtig hart. Ist uns aber lange nicht mehr passiert."

Frankfurter Rundschau, Anne Lemhöfer, 11.01.07




Wir haben trotzdem weitergemacht
Das Frankfurter "Theater Grüne Soße" feiert 25 Jahre

Recht offenherzig, das Geständnis, das da auf einem Blatt Papier gedruckt an der Wand des Frankfurter Theaters "Grüne Soße" hängt. "Es gibt drei Regeln, ein Geschäft zu betreiben. Leider ist uns keine davon bekannt." Kleiner steht aber noch das Wesentliche darunter: "Wir haben trotzdem weitergemacht." In der Tat, das haben sie, und dieser Tatsache verdankten die Gäste im Löwenhof die Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens des Jugendtheaters. Viele waren gekommen, und während sich gelockte Kinder an ihren Biolimonadeflaschen festhielten, lauschten ihre Eltern den Reden der Gratulanten.

Kulturdezernent Felix Semmelroth lobte, dass die Theatermacher "gewiss nicht dem Zeitgeist hinterhergehechelt" seien, und erinnerte sich daran, dass er selbst als Kind durch "Die Prinzessin auf der Erbse" fürs Theater begeistert worden sei. Das ausgiebige Gähnen eines kleinen Jungen, der sich für die Erinnerungen des CDU-Politikers nicht allzu sehr interessierte, sorgte für Amüsement bei Oberbürgermeisterkandidat Franz Frey (SPD), der ebenfalls zum Gratulieren vorbeigekommen war. Hartmut Holzapfel (SPD), ehemaliger Kultusminister, gab sich leicht betrübt, da Geburtstage anderer ihn ans eigene Altern erinnerten, hob aber das Jugendtheater als Gegengewicht zum Unterricht hervor: "Allein schon, dass man in der Schule etwas ,durchnimmt' - das klingt nach etwas, wovor man jedes Theaterstück bewahren will."

Die Jugendlichen im Publikum grinsten, und da die Reden an diesem Abend eher von der kurzen, unterhaltsamen Sorte waren, blieben die Gäste trotz des draußen schon aufgestellten Buffets sitzen. Auch Wolfgang Schneider, Präsident der Association Internationale du Théâtre pour l'Enfance et la Jeunesse, gratulierte zum 25. Geburtstag und lobte die von Semmelroth in Aussicht gestellte "Alterszulage", die im Klartext mehr städtisches Geld bedeutet. Willy Combecher, Sigi Herold und Detlef Köhler vom "Theater Grüne Soße" freuten sich daraufhin noch mehr und blickten schon erwartungsvoll dem fünfzigsten Geburtstag entgegen, wie sie sagten.
Während sich die Gäste nach einer kurzen Theatereinlage mit, klar, Grüner Soße stärkten, war genug Zeit, die aufführungsreiche und bewegte Geschichte des Theaters Revue passieren zu lassen. 1982 von Ex-TAT-Mitglied Peter Bauer in der Frankfurter Gaststätte "Nr. 16" gegründet, sollte die Schauspielgruppe nach dem Vorbild des Berliner Ensembles "Rote Grütze" emanzipatorisches Theater machen. Das erste Stück, "Mensch ich lieb dich doch", sahen in 280 Vorstellungen insgesamt 70 000 Zuschauer. Flops gab es aber auch, beispielsweise das Stück "Rasiermesser", das 1994 nur 150 Gäste besuchten, bevor es abgesetzt wurde. Doch Misserfolge waren die Ausnahme, und so sind auch für dieses Jahr wieder Premieren geplant ("Die Kartoffelsuppe" im September, "Ox und Esel" im November).

Theaterstücke nicht nur aufzuführen, sondern auch mit den Jugendlichen darüber zu diskutieren gehörte beim "Theater Grüne Soße" immer schon dazu, unabhängig von den städtischen Zuschüssen. Wie Gründer Bauer 1983 schon erkannte: "90 Millionen Mark müssen's ja nicht sein." Das hat sich spätestens jetzt, nach 25 Jahren, als wahr herausgestellt.

FRIEDERIKE HAUPT, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.07[i]




"Grüne Sosse" schmeckt Kindern seit 25 Jahre
Das freie Theater-Ensemble ging aus einem sozialpädagogischen Projekt hervor / Ernsthafte Themen als Markenzeichen

Rund 2500 Aufführungen von 30 verschiedenen Stücken hat die Frankfurter Theatertruppe "Grüne Sosse" seit 1981 gestemmt. Das Ensemble tourte quer durch Deutschland und hatte Gastspiele in Europa, Asien und Nordamerika.

Bornheim - "Grüne Sosse ist aus der Anlehnung an Rote Grütze entstanden", erzählt Sigi Herold, einer der Mitbegründer des Theaters. Ihr erstes Stück stammte von einer Berliner Theatergruppe namens Rote Grütze. Das Stück "Mensch ich lieb' dich doch" sei nicht unumstritten gewesen, weil es den Drogenkonsum thematisierte, erinnert sich der 52-Jährige: "Manche hatten Angst, dass Jugendliche dadurch erst auf die Idee gebracht werden könnten, Drogen zu nehmen."

Nach diesem ersten Stück entschloss sich Sigi Herold, der ursprünglich nicht Schauspieler, sondern Sozialpädagoge war, die Theaterarbeit fortzusetzen. Zusammen mit Peter Bauer vom Theater am Turm gründete er 1981 das "Theater Grüne Sosse". Sie verstanden sich als freie Kompanie - "als Alternativbewegung" zum Staatstheater.

"Mit unserem Kinder- und Jugendtheater wollten wir die Welt verbessern", bekennt Detlef Köhler (47), der vor 15 Jahren bei "Grüne Sosse" eingestiegen ist. "Das Kind als Hoffnungsträger des revolutionären Gedankens" - dies sei der Kern ihrer damaligen Überzeugungen gewesen. Im Gegensatz zu den politischen Wortführern von damals, die heute "Geschäftsführer" seien, habe sich das Ensemble einen Freiraum geschaffen und frühere Ideen herüber retten können. "Doch wie sich die Gesellschaft verändert hat, so hat sich auch unsere Ästhetik verändert", sagt Willy Combecher (54), der dritte Mann im Team. Kinder ständen heute unter einem "ungeheuren Leistungsdruck".

Das fange schon mit der "zweisprachigen Krabbelstube" an. "Dabei kommen Kreativität, soziale Kompetenz und Fantasie zu kurz", sagt Köhler und fügt hinzu: " Es ist etwas Besonderes für die Kinder, wenn wir live spielen." Oft würden sie hinterher sagen: "Der Film war aber gut", oder: "Das ist ja so echt wie im Kino."
Das Klischee vom "bunten und lustigen Kindertheater" treffe auf sie nicht zu, betont Sigi Herold. Ihnen sei wichtig, ernsthaft zu spielen. "Wenn ich auf der Bühne bin, aktiviere ich das Kind in mir". So finde er einen Zugang zu Kindern, denn er "möchte aufgreifen, was sie beschäftigt und was in ihnen vorgeht". Der größte Erfolg ist für Herold das selbst entwickeltes Stück "Strandläufer". Das sorge immer wieder für Kontroversen. Es handelt von vier erwachsenen Männern, die sich am Strand treffen und abwechselnd in die Rollen von Vätern und Söhnen schlüpfen. Vor allem bei Jungen käme ihr Stück gut an, es richte sich aber auch an Erwachsene. Ihren "Strandläufer" hat die Truppe mehr als 100 Mal aufgeführt - einmal sogar in Japan.

Die Eintrittskarte kostet bei " Grüne Sosse" nicht mehr als fünf Euro. Reich werden kann man davon nicht. Viele aus dem zwölfköpfigen Team, das mit wechselnden Regisseuren arbeitet, haben deshalb Nebenjobs. Um ein bisschen mehr zu verdienen, organisieren sie Gastspiele, die rund 40 Prozent ihrer Einnahmen ausmachen, sagt Herold, aber: "Gastspiele sind für uns auch mit vielfältigen Belastungen verbunden." Die Reisen seien körperlich anstrengend und auch für ihre Familien nicht einfach.

Wenn sie aber auf Festivals eingeladen werden, dann freuen sich die Theatermacher - denn das seien besondere Auszeichnungen. Im Mai war die Gruppe auf einem internationalen Festival in Kanada

Franziska Schubert